Religion

Tja, was treibt einen dazu, trotz positiver Erfahrungen, einen Glauben und Religion fahren zu lassen? Das habe ich mich auch gefragt und damals meinen Text “zum Christentum und zurück“ verfasst. Ein sicherlich schlichter Versuch, diese damalige Situation auf zu arbeiten. Auf der anderen Seite gehöre ich nicht gerade zu Bildungsoberschicht unseres Landes. Alles an Wissen habe ich mir selbst angeeignet. Insofern bleiben auch Erklärungen bildungstechnisch etwas unbefriedigend. Aber ich versuche es denn doch mal.

Als ich 1990 zum Christen wurde, mich sogar einer Erwachsenentaufe (Glaubenstaufe) unterzog, hatte ich schon so einiges hinter mich gebracht. Wie schon aus meinem Artikel hervorgeht, bin ich nicht gerade vom Schicksal begünstigt. Insofern standen auch viele Selbstzweifel im Mittelpunkt meiner Gedanken. Recht früh schon aus der katholischen Kirche ausgetreten hatte ich große Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Christen. Was für mich gleich bedeutend mit „Katholische Kirche“ war. Doch lernte ich mitten in einer Krise Jugendliche aus einer baptistischen Gemeinde kennen, die mich zu einer wöchentlich stattfindenden Teestube eingeladen hatten. Hier erkannte ich, dass im Christentum auch wesentlich mehr steckt, als ich bislang gelernt hatte. Vor allem, dass ich eine persönliche Beziehung zu Jesus aufbauen kann. Das gefiel mir insgesamt sehr gut – allerdings kamen da wieder viele private Probleme auf mich zu und die Jugendlichen (oder besser: jungen Erwachsenen) waren damit überfordert. Ebenso die älteren der Gemeinde. So dass ich mich im Stich gelassen fühlte. Es fehlte mir da wohl eher die Basis. Angeboten wurde nur die Senkrechte. Insofern hatte ich, unter vielen seelischen Verletzungen, es doch ganz gut in den Griff bekommen, mein Leben.

Was mir blieb, war aber immer die Frage nach dem „Warum“? Macht dieses Leben überhaupt Sinn? Waren die Suizidversuche ernst gemeint? Und warum lässt man mich nicht aus diesem Leben scheiden? Soll ich weitermachen?! Und dann: Wozu?Trotz meiner Freundin, die ich 1988 heiratete, waren da unheimlich viele Zweifel. Und da kamen dann die Zeugen Jehovas an unsere Wohnung. Ausgerechnet diese Begegnung ließ mich wieder zur Bibel greifen. Und erkennen, welchen Schwachsinn diese „Zeugen“ verbreiten. Um mich abzusichern, besuchte ich einen Pastor einer Freien evangelischen Gemeinde. Und kam über dieses Gespräche und eine zeitgleich stattfindende Mission von Jo Scharwächter (Heilsarmee) zum Glauben. In Jo Scharwächter erkannte ich einen „Bruder im Geiste“, da er auch keinen leichten Lebenslauf hatte – sogar Zuhälter war. Und meinte zu erkennen, dass mich Jesus durch ihn rief. Was folgte, ist das übliche Christenleben. Sprich: ich lies mich taufen, schloss mich der FeG an und lebte ein „Gottgefälliges Leben“. Also indem ich mich an die Gebote und so weiter hielt und mich in die Gemeinde eingebracht habe. Zum Beispiel im Kindergottesdienst. Und später auch in die Gottesdienstleitung. Ich besuchte einen Hauskreis und ebenso entsprechende Bibelkurse in Ewersbach; dem theologischen Seminar der FeG’s. Im Rahmen eines Pastorenwechsels kam es dann auch zu Unruhen in der FeG. Und das gab doch teilweise recht böses Blut, was mich so manches Mal an der Aufrichtigkeit eines Glaubens zweifeln ließ. Vorsichtig gesprochen.

Gleichzeitig bin ich mit meiner eher wissenschaftlichen Sicht doch das eine oder andere Mal an die Grenzen der Diskussion gestoßen. Was mich auch sehr verunsicherte. Insbesondere, da ich selbst auch zu zweifeln begann. Durch meinen Umzug bin ich in eine andere Gemeinde gekommen – konnte da aber auch noch nicht Fuß fassen. Es ist zwar fast sieben Jahre her, dass diese Ereignisse geschahen. Aber ich erinnere mich noch, dass eine der unbefriedigenden Diskussionen über die Anwendung der Bibelaussagen ging. Irgendwie stieß mich die Inkonsequenz meiner Mitgeschwister ab. Harte Worte, aber es war tatsächlich so, dass so lange sich gewunden wurde, bis die Aussage des Textes beliebig wurde. Obwohl er Konsequenz forderte. Und das fiel mir schon früher auf, ohne dass ich mir all zu große Gedanken darum machte. Aber wenn an einem die Zweifel nagen, dann bekommen auch kleinste Signale hohes Gewicht. Allerdings dergestalt, dass ich mich fragte, ob die FeG tatsächlich die richtige Gemeinde für mich wäre. Im Prinzip war mein christlicher Glaube nicht zwingend in Frage gestellt. Gleichwohl zog ich mich Stück für Stück aus dem Gemeindeleben zurück. Zögerte hinaus, mehr Verantwortung zu übernehmen und besuchte auch den Gottesdienst nicht mehr regelmäßig.

Wichtiger wurde die Erforschung meines Glaubens. Ich besorgte mir Literatur, insbesondere von Kirchenkritikern, aber auch glaubensstärkende Bücher. Verwirrend war schon, die unterschiedlichsten Strömungen zu erkennen – auch in der Interpretation der Bibel. Im Laufe meiner „Forschung“ fand ich auch Zugang zum Internet. Und fand auch relativ schnell Seiten, die sich mit Religion auseinander setzen. In beide Richtungen. Und ich nahm teil an verschiedenen Diskussionen, die mir so manches Mal weiterhalfen. Im Prinzip hatte sich meine eher wissenschaftlich orientierte Seite durchgesetzt. Und so wurde mir schon meine Differenz zum freikirchlichen „Dogma“ bewusst. Nämlich die Bibel als Wort Gottes zu begreifen. Tatsächlich hatte ich überlegt, mich mit katholischen oder evangelischen Geistlichen über das Thema zu unterhalten. Dazu ist es aber erst später gekommen.

Denn zu aller erst wollte ich mit meiner Gemeinde sprechen und abklären, wie weit ich tatsächlich von deren Glaubensinhalten entfernt war. Der Pastor der Gemeinde war zu einem Gespräch bereit und überrascht, welche Gedanken ich hegte. Doch seine Offenheit war schon wohltuend, da ich im Rahmen des Disputs (Nichts anderes war es nämlich) meine eigenen Gedanken klarer formulieren konnte und mir einiges deutlicher wurde. Im Prinzip war die Gesprächsgrundlage die schon in meinem Beitrag „Zum Christentum und zurück“ erwähnten Themen. Evolution vs. Kreationismus; Wunder und Hölle – alles. Hier war natürlich entscheidend, dass mein Gesprächspartner eher dem Kreationismus zugeneigt war bzw. ist und leider auch den absolut falschen Thesen der Anhänger derselben anhängt. Was mir dann schon die Absurdität des ganzen Kreationismus vor Augen führte. Im Folgenden werde ich mich sozusagen am Rahmen dieses Gesprächs entlang hangeln. Was nicht bedeutet, dass alles so stattgefunden hat. Aber dieses Gespräch war schon sehr entscheidend für mich. Und daher werde ich das Vergangene so schreiben, als ob es in der Gegenwart statt findet.

Ich habe mein Vertrauen in die Bibel als offenbartes Wort Gottes verloren. Wie das geschehen konnte? Nun, zu viel Zweifel an die Richtigkeit der Aussagen. Zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte. Natürlich, dass wäre eine als Legende zu verstehende Geschichte – aber die Bibel, gerade auch im Neuen Testament setzt sie als Tatsache voraus. Gerade im Hinblick auf die Erlösung durch Christus. Insofern muss ich sie doch als Tatsache begreifen. Was mir schwer fällt angesichts der Zeiten, in denen das alles stattgefunden haben soll. Demnach dürfte die Welt nicht älter als 10.000 Jahre sein. Dagegen spricht die wissenschaftliche Erkenntnis über das Alter der Welt. Wenn es also zutrifft, dass die Erde 14 Milliarden Jahre alt ist, dann kann das schwer mit der Bibel in Einklang gebracht werden. Natürlich kann Gott durch die Evolution schaffen – aber wie bringe ich da den Sündenfall rein? Besonders, da angeblich ja der Tod durch den Sündenfall in die Welt gekommen sein soll. Evolution funktioniert aber durch Leben und Sterben. Insofern gab es den Tod schon vor dem Menschen. Natürlich kann ich dann die Schöpfungsgeschichte derart deuten, dass der Mensch sich im Laufe seiner Evolution von Gott abgewandt hat, sich gerade zu seiner Destination entzogen hat und sich in einen eigenen Kontext zur Welt gesetzt hat. Diese Deutung könnte mir sogar zusagen. Aber ist es tatsächlich dass, was in der Bibel steht?

Es gibt theologische Strömungen, in denen die Bibel so ausgelegt wird. Mir nicht unsympathisch, aber bedeutet das nicht auch, dass die Bibel nur ein Menschenwerk ist? Und wie steht das zum Kontext des neuen Testaments? Wo ein konkreter Mensch (Jesus)für die Tat eines konkreten Menschen (Adam) gebüßt hat? Also, man kann diese Teile der Bibel sehr wohl auch philosophisch lesen. Aber ist es dass, was tatsächlich gemeint ist? Ich habe da meine Zweifel. Gerade, wenn ich dann die folgenden Geschichten des AT lese. Turm zu Babel, oder die Sintflut. Alles im Altertum verwurzelte Geschichten, die sich die Wüstenvölker am Lagerfeuer erzählt haben und gar nicht so originär biblisch sind. Vermutlich haben die Bibelautoren bekannte Erzählungen auf JHWH und die Geschichte Israels umgedeutet, um eine Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln. Und durch diese Geschichten hindurch kann ich mir nicht vorstellen, dass sich ein Gott derartiger Stilmittel befleißigt hat. Er hätte sehr wohl die Wahrheit verkünden können. Insofern muten die biblischen Schriften nicht wie Worte Gottes an, sondern eher wie die Worte von Menschen, die ihre Ansichten göttlich erklären wollten. Sehr deutlich wird das durch die Geschichtserzählungen – von Abraham bis zu den Königen. In den frühen Geschichten um Abraham oder auch Noah zeigt sich zudem eine sehr große Grausamkeit Gottes, nämlich gar fürchterlich zu richten. Egal, ob schuldig oder nicht. Als Beispiel mag die Sintflut dienen. Demnach hat Gott die Welt ausgerottet, weil sie nicht nach seinem Willen war. Dafür mussten unschuldige Kinder, Tiere etc. jämmerlich ertrinken. Hierbei ist egal, ob das eine symbolische Geschichte ist, oder eine Tatsache: Kann man einen solchen Gott anbeten?!?

Genau diese Grausamkeit zieht sich durch die gesamte Geschichte des AT. Wenn ich da nur an die Landnahme der Israeliten unter Joshua denke… Wie auch immer: Ich kann hierin nicht mehr den Gott erkennen, den ich eigentlich anbeten wollte. Wenn der Einwand kommt, dass Gott sich diesbezüglich unserer Erfahrung entzieht und wir das nur so nehmen können, wie es ist, dann möchte ich das so nicht nehmen. Und sicherlich kann man die Geschichten des AT als symbolhaft ansehen – dass müsste ich aber dann auch auf das NT übertragen. Nur Geschichten, in denen Menschen ihre Gotteswahrnehmung schildern. Insofern kann ich im AT nur den Versuch sehen, dass die Geistlichkeit eines zerstörten und vertriebenen Israels eine gemeinsame Basis zu entwickeln. Nie hat es einen Mann wie Abraham gegeben. Oder Joseph. Bei einer solchen Popularität, wie Joseph sie laut Bibel hatte, wäre zumindest in ägyptischen Historien etwas davon aufgetaucht. Ebenso wie bei Moses die Plagen. Diese Katastrophe hätten die Chroniken nicht verschwiegen. Abgesehen von der Tatsache, dass so ein Massenexodus wie in der Bibel geschildert nie stattgefunden haben kann. Vielmehr scheint es so, dass hier die allmähliche Landnahme von semitischen Nomaden in der Geschichte des Moses verdichtet wird. Ebenso wie die Geschichte der Richter einen bestimmten Sinn haben.

Da die Bibel aber nicht ein Geschichtsbuch sein will, sind die obigen Kritiken stumpf. Da sie keine Tatsachen berichtet, sind die Inhalte theologischer Natur. Und genau diese Theologie ist bei genauerer Sichtweise mehr als zweifelhaft. Und da bleibt ja nur die Rettung in das Neue Testament. Hier war für mich der Ansatzpunkt, einen Glauben wieder zu finden, der stark angeknackst war. Schließlich stellt die christliche Lehre vieles des jüdischen Glaubens auf den Kopf – oder relativiert sie. Aus dem eifersüchtigen, rachsüchtigen Gott des AT wird der liebende Vatergott. Oder etwa nicht? Und da habe ich gleich das nächste Problem. Das fängt schon bei den unterschiedlichen Geburtsberichten an. Im Prinzip so oder so nicht wirklich historisch zu fassen geht doch alles auf eine Jungfrauen – Geburt aus. Etwas, dass ich nicht als eine Tatsache erachten kann. Eben biologisch unmöglich. Obwohl man ja das Wirken des hl. Geistes nicht unterschätzen soll. Aber genau hier scheint auch eine dieser erzwungenen Verbindungen zur Aussagen des AT vorzuliegen. Es ist eigentlich unerheblich, ob Josef nun der legitime Vater war – oder Gott Himself. Ebenso verstörend sind die unterschiedlichen Genealogien. Welche ist die Richtige? Oder ist nur entscheidend, dass Jesus Herkunft auf David zurück zuführen ist? Zumindest stärkt das nicht die Glaubwürdigkeit. Sehen wir mal von den Evangelien und ihre unterschiedliche Ausprägung ab. Hier könnte man ja noch unterschiedliche theologische Ansätze akzeptieren. Nicht aber, dass hier vieles sehr unterschiedlich geschildert wird, was eigentlich doch ob der Wichtigkeit übereinstimmen müsste. Ob Festnahme, „Gerichts“verhandlung oder Kreuzigung, Tod und Auferstehung: Unterschiedlicher geht es nicht. Abgesehen von einer Tatsächlichkeit der Wunder – die ich inzwischen nur als symbolische Erhöhung Jesu sehen kann. Gleichwohl, Gerade die Auferstehung Jesu ist sicherlich das größte aller Wunder – und sicherlich das Wichtigste. Nunmehr, obwohl ich es mir lange nicht eingestehen wollte, kann ich auch an dieses nicht mehr glauben. Und damit ist die wichtigste Grundlage des Glaubens entfallen – zumindest des christlichen Glaubens. Es sind also nicht grundsätzlich die Gegensätze von Evolution und Schöpfungsgeschichte. Hier kann ich, wenn es auch schwierig ist, sehr wohl eine christliche Theologie einbauen. Das leben auch Christen, die damit dann auch keine Probleme haben. Sollte man aber einen fundamentalen Glauben haben, kommt man natürlich ins schleudern.

 Und ich hatte ja solch einen fundamentalen Glauben, vor allem auch an die Bibel als Gottes Wort.Mehr als Evolution macht mir die historisch-kritische Sicht auf die Bibel zu schaffen. Die Kritik ergab sich aus der Diskrepanz von Evolution und Schöpfung automatisch. Und kann für mich nicht befriedigend gelöst werden. Sicherlich kann ich weiter glauben – aber es wäre eher ein Glaube an einen Gott, der die Welt entstehen ließ, ihr Raum zur Entwicklung gab. Und der Mensch, als intelligentes Wesen, damit gottähnlich, hat sich selbst zur Krönung der „Schöpfung“ erklärt. Und sich damit von Gott entfernt. Und eventuell noch akzeptabel haben Menschen wie Jesus gezeigt, dass man sich auch wieder zu Gott hinwenden kann – bloß finde ich einen solchen Glauben in der Bibel nicht. Gleichwohl kann ich heute also gar nicht mehr an einen Gott glaubenWeswegen ich mich auch als Atheist bezeichnen muss. Obwohl ich einen Gott auch nicht ausschließen kann. Aber die Beschäftigung mit den Religionen, ganz besonders dem Christentum, aus dem ich ja komme, hat mir gezeigt, dass er nicht in diesen zu finden ist. Vielleicht eher noch in der Hinwendung zum Mit – Menschen und der Natur. Dort kann einen das Göttliche begegnen.

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2 Antworten zu Religion

  1. Mike from Scotland schreibt:

    Hi Manfredinblack

    I noticed you are a Stranglers fan….me too!
    I have one of the best collections of rare and live The Stranglers / Hugh Cornwell C.D.s and DVDs in the U.K.

    From ‚ 74 to 2011, I have a real ‚ treasure trove‘ of M.I.B. goodies……some may interest you?…I even have lots of great gigs in Germany.
    If you like I can send yiou my latest list via e-mail?
    Thanks for your time and best wishes from Scotland.
    Mike
    p.s. my parents will be in Berlin next week….any tips for where to visit?

  2. Pingback: Ich glaub’ es einfach nicht | Manfredblog

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