Und? Was wählst Du so?

Es gibt ein Wahlgeheimnis – also bleibt im Dunklen was ich wähle. Denn selbst wenn ich die Partei meines Vertrauens wähle muss es ja nicht die sein von der ich behaupte dass ich es täte.

Gleichwohl, der Wahl-o-mat für die NRW-Wahl zeigt schon welche Richtung ich gehe. Die Reihenfolge ist CDU, FDP, Freie Wähler, Grüne. SPD, Linke weit hinten, ebenso die Piraten. Und gar nicht die unsägliche ProNRW. Was mich unheimlich beruhigt. Und vielleicht den einen oder anderen verwundert: Manfred und CDU?!

Na, ich bin seit 1998 CDU-Mitglied und war schon stellvertretender Vorsitzender im Ortsverband und das auch in der CDA. Mein loses Mundwerk und der fehlende Wille zur Diplomatie verhindern aber dass ich da weiter mache. Ich bin nicht so zum Politiker geboren, glaube ich. Und ein Atheist in der CDU?! Ja, das geht. Ich störe mich weniger am “C”, sondern sehe es als Chance. Nämlich eine Politik für den Menschen zu machen.

Mich wundert manchmal die Nähe zur FDP – wenn man aber weiß, dass ich für so wenig Staat wie möglich bin und sehr auf die Freiheit des Einzelnen setzte wundert es wieder nicht. Und so kommt auch eine Nähe zu Freien Bürgern zustande. Gleichzeitig bin ich stark an ökologischen Themen, an Umweltschutz interessiert – was die Grünen an 4. Stelle erklärt.

Natürlich kann man den Wahl-o-Mat manipulieren indem man eben die Positionen der Parteien zu den Themen kennt und entsprechend antwortet so dass es automatisch zum gewünschten Ergebnis führt – aber das habe ich mir verkniffen. So gut das geht.

Noch eine Woche, dann wird in NRW gewählt. Und das Ergebnis scheint schon fest zu stehen. Rot-Grün werden, Kraft-voll, eine eigene Mehrheit erlangen. Die FDP wird es knapp schaffen, die Piraten auch, und die Linke wohl nicht. Zumindest, wenn man den Umfragen Glauben schenken darf. Es scheint so, als ob. Hannelore Kraft macht es schon geschickt.

Und damit hat eine Politik freie Fahrt, die ich nicht gut heiße. Also, zum Beispiel Neuverschuldung, um in die Kinder zu investieren, damit die später die Chance bekommen, die Schulden zurück zu zahlen? Ich weiß nicht – das ist wohl der falsche Ansatz. Anstatt jede Menge Geld in die verschiedensten Projekte zu schütten wäre es sicher sinnvoll, das vorhandene Geld in die Zukunft der Kinder zu stecken. Und was über bleibt dann anderweitig zu verteilen.

Schule, dass ist auch so ein Thema. Sicher hat man da einen Kompromiss gefunden. Aber ob der wirklich sinnvoll ist…. Und noch eine Schulform. Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule. Da soll noch einer durchblicken. Mir scheint, die Menschen hier sollen dumm gehalten werden. Denn dumm lässt sich gut regieren. Der Wunsch der SPD, dass alle die Chance haben sollen das Abitur machen zu können führte doch wohl nur dazu, dass die Anforderungen so weit gesenkt wurden, dass das Niveau teilweise unter denen zum Hauptschulabschluss in den 70ern liegt. Chancengleichheit? Irgendwie schon. Ich glaube aber, dass eine gute schulische Förderung nicht von einem Schulsystem abhängt. Es gibt Länder mit mehrgliedrigem Schulsystem, die bei Pisa vorne liegen und welche, die nur eine Schulform haben. Nein, es liegt an der Wissensvermittlung. Nicht am System. Und auch nicht an einer Differenzierung.

Wie auch immer. meine Kinder sind aus dem Gröbsten raus.

Was mich sehr stört ist, dass “der Staat” den Bürger immer weiter entmündigt. Bestes Beispiel ist der Streit um die E-Zigarette. Was geht die Ministerin an, was die Bürger da in sich stopfen? Muss jeder selbst wissen was er sich da antut. Ebenso gilt das für das Nichtraucherschutzgesetz. Da gibt es eine mehr als ausreichende Regelung – aber man will die Freiheit des Bürgers noch weiter einschränken. Und das entspricht der Sicht der Sozialisten. Egal, ob Grün, SPD oder Linke: Den Bürger vorschreiben was gut für ihn  ist.

Und natürlich ist das jetzt völlig überzogen dargestellt. Die Umtriebigkeit der Parlamentarier ist allein dem Umstand geschuldet ihre eigene Existenz zu rechtfertigen. Deswegen wird regelmäßig eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Eine wirkliche Aufgabenkritik setzt sich keiner aus.

Nichts desto trotz gehe ich natürlich wählen. Am 13. Mai ist Landesmuttitag – da geht keine Kraft verloren. Hauptsache, es geht weiter. Irgendwie.

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Da wächst schon Grass drüber

Da hat also der Günter Grass ein Gedicht geschrieben und in der Süddeutschen veröffentlicht. Und die Welt, zumindest die Deutsche, regt sich königlich auf.

In diesem Gedicht, dass so gar nicht als solches wirkt, bringt der Künstler seine Sorge, ja: Angst, zum Ausdruck, die ihn umtreibt denkt er an die brisante Lage in Nahost. Und das ist im Prinzip sogar löblich. Denn diese Sorge, ja: Angst, kann man durchaus teilen. Und trotzdem. Irgendwie wird dem Günter da ein Antisemitismus unterstellt. Mal mehr, mal weniger offensiv.

Und ich glaube, dass wird durch seine Wortwahl provoziert. Womöglich sogar gewollt. Eigentlich ganz sicher – denn er hat die Reaktionen darauf schon vorweg genommen. Und scheint sich seinem latenten Antisemitismus, der sich als Israel-Kritik tarnt, durchaus bewusst zu sein. Wobei: Das ist bei Links-Intellektuellen durchaus immanent.

Kritik an Israels Politik bedeutet noch lange nicht Antisemitisch zu sein – eine Kehrung der Täter – Opfer Relation kann es aber schon sein. Dass muss nicht einmal bewusst geschehen. Sondern durch das Geschriebene von allein zum Ausdruck kommen.

Nein, einen Gefallen hat sich Grass mit dem Gedicht nicht gemacht. Zu sehr gemahnt es an Pennäler – Prosa, was für einen Literaturnobelpreisträger doch zu wenig erscheint. Er kann es besser. Auch wenn man ihm eine große Besorgnis über die Lage in Nahost unterstellen darf. Ich unterstelle auch mal, dass der die Worte beherrschende Schriftsteller diese auch diesmal gezielt so gesetzt hat. Und hat damit Raum geschaffen für Interpretation und Platz für sich zur Relativierung. Beides geschieht auch.

Die Provokation ist wohl kalkuliert. Wenn es nicht Günter Grass, oder ein ähnliches Kaliber, gewesen wäre hätte dieses Poem nicht die geringste Chance überhaupt beachtet zu werden. Das ist es auch, was Grass erreichen wollte. Etwas angeblich Unaussprechbares Gehör zu verschaffen – das erinnert fatal an den unsäglichen Sarrazin, der auch etwas sagen musste damit es mal gesagt wird weil es mal gesagt werden musste. Obwohl das schon lange gesagt wurde was angeblich so Unaussprechbar ist.

Kritik an Israel, auch aus Deutschland, ist zulässig und wird auch geübt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist, gerade für Deutsche, wirklich nicht einfach, die richtigen Worte zu finden die so schnell die …rechten…Worte scheinen. Aber gerade die Siedlungspolitik Israels steht nicht nur international am Pranger, sondern auch im eigenen Land. Was nicht zur Debatte stehen darf ist das Existenzrecht Israels. Und hier kommt dann die Kritik Grass’ ins Spiel. Israel hat demnach ein Existenzrecht – darf es aber nicht verteidigen.

Diejenigen, die Israel auslöschen wollen, sitzen gleich nebenan. Seit der Gründung Israels, die nach dem Holocaust mehr als Berechtigung hat, steht Israel mit dem Rücken zur Wand. Wird kein Krieg gegen Israel geführt sorgen Selbstmordattentäter für Unruhe. Dass Israel hier bei der Prävention und zur eigenen Sicherung vielleicht auch über das Ziel hinausschiesst (!) ist selbst den Israelis bekannt und wird, auch von deutschen Politikern angesprochen.

Es ist immer noch eine besondere Beziehung, die wir als Deutschland zu Israel haben. Müssen. Denn ohne die Unsagbaren Verbrechen, die Deutsche an Juden ausgeübt haben müsste dieser Staat Israel nicht bestehen. Es ging dabei nicht um die Gründung eines Staates aus irgendwelchen biblischen Motiven um eine Restauration der Geschichte zu bewirken. Sondern Juden ein sicheres Zuhause zu bieten. Eine Zuflucht. Denn, die Geschichte mahnt es, waren Juden immer wieder Progromen ausgeliefert. Die industrialisierte Vernichtung jüdischen Lebens durch die Nazis war der grausame Höhepunkt, der letztendlich und konsequenter Weise in die Gründung Israels führte.

Und genau daran störte sich die intellektuelle Szene, die in der Regel doch eher im Sozialismus – also links – angesiedelt ist. Die Szene, die später auch Sympathie für die RAF und deren Ableger hatte, stand natürlich auf der Seite der Geknechteten. Und das waren aus der Sicht dieser selbsternannten Denkelite natürlich die Palästinenser, denen man so ruchlos das Land weggenommen hatte.

Es ist diese Szene der Links-Intellektuellen, die bestimmte und bestimmt, welches die richtige politische Meinung zu sein hat, die festlegt, welches die richtige Literatur ist und die wahre Musik (z.B. Free-Jazz, dass so unglaublich verkopft ist. Da hat der weiße Mann dem schwarzen Mann glatt die Musik geklaut und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt) ist.

Und es ist diese Szene, die sich Grass wohlwollend schreiben wollte. Und anscheinend noch will. Was letztendlich nur bedeutend: Was Grass da von sich gibt ist nicht mehr als ein Hilferuf um Aufmerksamkeit. Damit diese Szene ihn weiter goutiert.

Da wird doch noch Grass drüber wachsen.

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Nationale Identität – Eine neue deutsche Frage?

Heute wird der Bundespräsident gewählt – oder die Bundespräsidentin.  Egal, wer gewinnt – wohl Joachim Gauck – wird der Präsident nicht vom Volk gewählt. Mit Gnade der politischen Parteien sind allenfalls ein paar Prominente beteiligt. Aber der Bürger an sich steht außen vor. Und das bei dem Mann, der Frau, die ihn präsentieren soll.

Im besten aller deutschen Staaten ist es mit Basisdemokratie nicht gut bestellt. Der Bürger gibt bei der jeweiligen Wahl seine Stimme an einen Volksvertreter. Und ist sie damit los. Von auf kommunaler Ebene zugelassenem Bemühen um mehr Beteiligung des Volkes ist eine Beteiligung so in Ländern  und Bund nicht vorgesehen. Im Prinzip als Nachlauf dem dunkelsten  Zeitraum deutscher Geschichte geschuldet.

Eine deutsche Identität war nach dem Dritten Reich auch nicht vorgesehen. Und nachdem fast zwangsläufig passierte was so damals in Westdeutschland kaum  einer wirklich wollte, nämlich der Zusammenwucherung beider deutscher Staaten, war es immer noch suspekt nach einer deutschen Identität zu fragen. Deutsche Leitkultur, überhaupt Deutsche Kultur, die Frage nach dem, was „Deutsch“ eigentlich ausmacht: alles nicht erwünscht im Hinblick auf die Vergangenheit. Wer dennoch danach fragte war schnell im Verdacht ein Nazi zu sein. Zumindest irgendwo in die National-Deutsche Ecke gedrängt.

Als ich den Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ las fragte ich mich spontan, wie man auf die Idee kommt, die Präsidentenwahl mit der Suche nach der deutschen Identität in Zusammenhang zu stellen. Und frage mich das nach dem lesen des Artikels immer noch.

Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung nach der Suche nach einer „Deutschen Identität“ ist. Es ist eher ein Ding der politischen Klasse und hin und wieder der Medien auf der Suche nach Antworten auf Fragen die keiner stellt .

Deutsche Geschichte, die angeblich mit der Gründung des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation begann, gibt eine deutsche Identität nicht her. Regionale Identität eher schon, aber eine gesamtdeutsche Identität war nicht im Bewusstsein der Menschen. Auch die Schaffung einer hochdeutschen Sprache durch Luther schaffte keine Identität, wie vielleicht in Frankreich, dass sich ja durch die Sprache definiert. Vielleicht durch die Schaffung eines deutschen Reiches durch die Preußen 1871 in Verbindung des Gefühls der Revolution von 1848 wurde so etwas wie ein Zusammengehörigkeit geschaffen – überhöht erst durch den 1. Weltkrieg. Und verstärkt durch das Naziregime 20 Jahre später.

Ich erinnere mich an die Karten im Erdkunde- und Geschichtsunterricht, die neben den damals aktuellen Grenzen auch immer die Grenzen Deutschlands 1937 zeigten. Und das war das Deutschland, dass die Nationalisten gerne gehabt hätten.

Den typischen Deutschen gibt es ebenfalls nicht. Viele regionale Eigenheiten verhindern diesen Typus. Menschen im Ruhrgebiet sind etwas anders gestrickt als z.B. Bayern. Der „Deutsche“ ist zumeist eine Karikatur der ausländischen Medien, dessen Eigenschaften ebenso auf Engländer oder Franzosen übertragbar sind. Auch wenn man es immer wieder kolportiert: Den „Deutschen“ gibt es nicht. Das, was die Klammer ist, dass nennt sich Grundgesetz. Die Menschen, die hier leben, haben zu unterschiedliche Abstammungen, als dass sich eine besondere deutsche Identität herausbilden könnte. Eine multikulturelle vielleicht noch.

Und darüber sollte auch nicht ein „Spass-Patriotismus“ wie zur Fußball-WM 2006 oder ähnlicher Veranstaltungen hinwegtäuschen: Es gibt keine deutsche Identität, hat es nie gegeben und sollte es auch nie geben.

Bundespräsident und nationale Identität – Gauck und die neue deutsche Frage – Politik – sueddeutsche.de

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Kritik "Giants" – The Stranglers 2012

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Wie fängt man eine Kritik über eine Platte einer Band an, die nun auch schon auf eine fast 40-Jährige Karriere zurückblicken kann? Und in der noch 3 Gründungsmitglieder spielen, von denen einer dieses Jahr 74 wird, einer Anfang 60 und einer dieses Jahr 60 geworden ist.

Nun, von so einer Band etwas grundlegend Neues zu erwarten wäre vermessen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Band vor gut 10 Jahren schon zu einer „Oldies-but-Goldies“-Gruppe verkommen schien. Am 11.9.1974 wurde „The Stranglers“ als Trademark eingetragen und seither gilt dieses Datum als Gründungsdatum von den Stranglers. Obwohl sie schon etwas früher gestartet sind als Guildford Stranglers. Das war die Zeit,  in der JJ Burnel, Hugh Cornwell, Jet Black und Hans Wärmling noch irgendwie nach Hollies klangen. Nach dem Ausstieg Wärmlings kam der Keyborder und Organist Dave Greenfield hinzu und ab da bestand die Formation, wie die Rockwelt sie kannte. Die Band wurde dem Punk zugerechnet, dem sie immerhin die Ratte brachte, obwohl die Musiker viel zu alt waren und vom ganzen Habitus gar nicht in diese Szene passten. Mit zynischen Texten und rauher Musik muss man sich wohl so einordnen lassen. 1990 verließ Hugh Cornwell die Band, die sich mit Paul Roberts und John Ellies verstärkte und ihren Sound änderte. 2000 verschwand John Ellies  und Baz Warne stieg als Gitarrist ein, 2006 verließ Paul Roberts die Band und The Stranglers machten wieder als 4er Bande weiter.

2004 bekamen die Stranglers einen Plattendeal mit der EMI über 4 Studio-CDs. Und mit „Giants“ liegt nun die dritte vor. 6 Jahre nach der Suite XVI. Und knüpft nahtlos an dieses Album an ohne es zu kopieren.

Nach dem Weggang von Roberts teilen sich Burnel und Warne den Gesang. Und das ist eine der Probleme der letzten beiden Veröffentlichungen: Es fehlt eine markante Stimme. Und auf „Giant“ fehlt ein potentieller Hit, der sonst immer auf einem Album war – wenn es auch mangels Single-Veröffentlichung nie ein HIt wurde. Aber das sind in der Regel die besonderen Punkte, die einen ein Album in Erinnerung halten. Diese Höhepunkt fehlen komplett. Was nicht weiter tragisch ist, da dieses Album tatsächlich ein gesamter Höhepunkt ohne wirkliche Schwächen ist.

Die Covergestaltung zeigt in Deutlichkeit warum die Band „The Stranglers“ heißt und könnte inklusive Innengestaltung als leicht makaber gelten. Dafür ist die Überraschung beim Einlegen der CD doch groß.

Mit „Another Camden Afternoon“ fängt die Platte sehr Blueslastig an. Mit einem Gitarrenintro, das von Baz Warne sher hart gespielt wird. Um dann mit eher strangleresken Riffs so richtig loszulegen. Mit einem tiefen, knallharten Basslauf und einem gradlinigen Schlagzeug  und einer Greenfield-Typischen Orgel. Ein 4-Minütiges Intrumental als Opener. Nicht schlecht. Gefolgt von einem romantischen Einstieg in „Freedom is Insane“, dass klingt, als wäre es aus der letzten Session zu „Suite XVI“ übergeblieben und ein klein wenig an „Heroes“ von Bowie erinnert. Zumindest im Refrain. Um dann gegen Ende in einem Orgelsolo alà „Walk on by“ zu münden.

Insgesamt ist „Giant“ sehr gitarrenlastig geworden, was sicherlich dem Einfluss des Jüngsten, Baz Warne, geschuldet ist. Aber eben ein sehr gutes Album hervorgebracht hat. Sehr schön ist die eher ruhige Ballade „My Fickle Resolve“  und interessant der Hardrock-Tango „Adios“, bei der neben brettharten Gitarren auch nch in so etwas ähnliches wie spanisch gesungen wird.

Einen prima Abschluss macht dann das für mich beste Lied auf der Platte, 15 Steps, dass mit stranglerstypischen Sarkasmus aufwartet und eine leicht „spooky“ Orgel beinhaltet.

„Giant“ ist ein in sich geschlossenes Werk ohne wirkliche Höhepunkte, dass man bedenkenlos durchhören kann. Was für „The Stranglers“ etwas wenig ist. Nicht die beste Platte, die die Jungs (!) gemacht haben, aber eine, die durchaus weit oben angesiedelt ist. Um damit wieder auf die lange Geschichte der Stranglers zu kommen. Denn sie klingen nicht so alt wie sie sind (Baz Warne ausgenommen), sondern frisch und modern ohne zu leugnen, dass sie die Stranglers sind. Oder um es mal so zu sagen **** von ***** sind allemal drin.

Die Limited Edition, die mir vorliegt, hat noch eine Bonus-CD  mit einem Unplugged-Konzert von der letztjährigen Convention beigefügt. Tolles Konzert in toller Atmosphäre mit Songs, die man bei einem solchen Konzert nicht erwartet hätte. Ein besonderes Bonbon als Zugabe.

The Stranglers „Giants“ , Coursegood  B0076L9WJQ

Tracks:

Another Camden Afternoon/Freedom Is Insane/Giants/ Lowlands/Boom Boom/My Fickle Resolve/Time Was Once On My Side/ Mercury Rising/Adios (Tango)/15 Steps

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Meine Top-Platten #1: TOTO – Toto 1978

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Es war Ende 1978 als ich in der „Schlagerrally“ auf WDR 2 ein hammermäßiges Piano – Intro hörte, gefolgt von einem Wahnsinns – Gitarrenriff. Ein treibender Rhythmus haute mich fast vom Hocker und was dann folgte war für einen Gitarrensololiebhaber wie mich die Offenbarung: Eines der genialsten Solos der Rockgeschichte.

Ja, es geht um den Song „Hold the line“ der amerikanischen Truppe „TOTO“. Er traf mein Ohr zu einer Zeit, als ich mich in einer musikalischen Orientierungsphase befand.

„Queen“ fingen grade an schlecht zu werden, „Alan Parsons Projekt“ wollten langweilen, Pink Floyd hatten „The Wall“ noch nicht veröffentlicht, Punk zwar interessant, aber zu schlicht. Sicher, es gab „The Police“ und auch „The Stranglers“, während sich in diesem Metier aus deutschen Landen nicht allzuviel tat. Und die aufgedrückten Heroen der Vergangenheit, Doors, Deep Purple, Led Zeppelin etc. ödeten mich zu dem Zeitpunkt ungemein an.

Dabei stand, und stehe, ich auf Gitarrenriffs, Orgelsound, Saxophon, knallhartes Schlagzeug und irre Bassläufe. Ich liebte die Shadows. Aber nicht unbedingt dass, was sie Ende der 70er veröffentlichten. Und so war es mit vielen. Gleichzeitig lief mein Leben aus dem Ruder. Frust über die Lebensumstände brachen durch. Von der ganzen Haltung her wäre ich wohl eher „Punk“ denn irgendwas anderes gewesen  wenn mich so eine Kategorisierung überhaupt interessiert hätte.

Musik war etwas, was mir Trost brachte. Unter anderem. Und so seltsam es anmuten mag: Dieser Song von „Toto“ sprach mich derartig an dass ich mir umgehend das Album besorgte.

Dieses Album ist eines der perfektesten Rock-Alben aller Zeiten. Klar, „Toto“ hatten ein erfolgreicheres mit „Toto IV“ und dem Hit „Africa“. Aber für mich stimmte alles. Die Lieder waren richtig gut. Klare Instrumentierung und ansprechende Singstimmen. Wunderbare Solis. Ich war begeistert.

„Toto“ sind dabei eigentlich „nur“ eine Ansammlung von Studiomusikern. Die mit den Alben irgendwie auch so eine Art Katalog ihres Könnens präsentierten. Immerhin: „Toto“ waren u.A. an der Entstehung von Michael Jacksons „Thriller“ maßgeblich beteiligt. Aber um das „nur“ aufzulösen: Die Musiker lieben das, was sie tun  und das merkt man diesem Album ganz besonders an. Und mir fast 17 Jährigen brachte es einen neuen Zugang zu Musik. Obwohl die Musik von „Toto“ letztendlich als Adult Oriented Rock, und damit war ich ja gar nicht die Zielgruppe, eingestuft wurde.

Was diese Musik zu wertvoll macht: Sie ist zeitlos. Weil so hochqualitativ. Und ich höre sie bis heute.

TOTO (1978)

CHILD’S ANTHEM
(Instrumental)
Writer: David Paich

I’LL SUPPLY THE LOVE
Lead Vocals: Bobby Kimball
Writer: David Paich

GEORGY PORGY
Lead Vocals: Steve Lukather
Writer: David Paich

MANUELA RUN
Lead Vocals: David Paich
Writer: David Paich

YOU ARE THE FLOWER
Lead Vocals: Bobby Kimball
Writer: Bobby Kimball

GIRL GOODBYE
Lead Vocals: Bobby Kimball
Writer: David Paich

TAKIN‘ IT BACK
Lead Vocals: Steve Porcaro
Writer: Steve Porcaro

ROCKMAKER
Lead Vocals: David Paich
Writer: David Paich

HOLD THE LINE
Lead Vocals: Bobby Kimball
Writer: David Paich

ANGELA
Lead Vocals: Steve Lukather
Writer: David Paich

Homepage Toto

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Am Aschermittwoch ist alles vorbei – doch die Karawane zieht weiter

Traditionell ist am Aschermittwoch die Karnevalszeit zu Ende und die Fastenzeit beginnt – die Narren kommen zur Ruhe. Alle Narren? Nein, ein unbeugsames Narrenvolk aus Berlin widersetzt sich dem und macht einfach weiter.

Sicher, die wirklich närrischen Höhepunkte wie die Suche nach dem neuen Bundespräsidenten fanden in der Hochzeit des Karnevals statt. Aber alles spricht dafür dass man wieder mal kein Ende finden wird.

So ein Ströbele zum Beispiel. Der sehr-sehr-Alt-68er und ehemalige RAF-Anwalt sieht Gauck schon beschädigt weil er die Occupy – Bewegung lächerlich fand. Oder der Linken- Kleindarsteller Gregor Gysi, der Gauck vorhält, dass der sich für Hartz IV ausgesprochen hat. Oder der Lamentator der Grünen, Cem Özdemir. Obwohl Kandidat (auch) der Grünen fällt jetzt erst auf dass Gauck den unsäglichen Sarrazin in gewisser Weise gelobt hat.

Na, dass passt ja wieder einmal. Dass da jemand selbstständig denkt, aber nicht wie vorgeschrieben links, der ist ohnehin suspekt.

Wobei ja die SPD Gauck ins Rennen gebracht hat um Merkel zu ärgern. Schon damals, als der Nachfolger für die beleidigte Leberwurst Horst Köhler gesucht wurde. Der hatte einen Anflug von Wahrheitswahn. Wie kann man auch ehrlich sagen, dass wir Krieg aus wirtschaftlichen Interessen führen? Also wirklich. Der Kandidat Wulff erschien dagegen so farblos dass sich Angela angesprochen fühlen musste. Zumal der Wulff ja auch als innerparteilicher Konkurrent gehandelt wurde. Und damit kaltgestellt werden musste. Das stille Wasser tief sind konnte man ja nicht ahnen.

Das schöne bei Joachim Gauck ist, dass der Mann weitgehend geradeaus ist aber keineswegs einen gradlinigen Lebenslauf hat. Brüche hier und da. Und als (evangelischer) Pfarrer in Trennung mit seiner Gattin lebend – und damit kirchlich gesehen ehebrechend mit seiner jetzigen Partnerin. Das ist der eher katholisch geprägten CDU mehr ein Dorn im Auge als so manches andere was so gegauckt wird.

Die Umstände seiner Inthronisierung sind so wirr, dass man fast schon von einem Karnevalspräsidenten sprechen kann. Wobei Gaucks auftreten direkt nach der Bekanntgabe ja auch nicht eines gewissen Witzes entbehrt.

Schade, dass der Bundespräsident nicht vom Volk gewählt wird. Das er immerhin präsentiert. Oder besser: präsentieren soll. Das würde vielleicht auch die Bedenkenträger der Politik schweigen lassen. Denn wie oben schon angemerkt: Man schießt sich langsam auf Gauck ein. Ja, das Narrenschiff fährt weiter. Von wegen, am Aschermittwoch ist alles vorbei.

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Das Aus für Sauerland

Fast 130.000 Stimmen gegen Adolf Sauerland ist ein Wort. Das zeigt schon sehr deutlich, dass die Stimmung gegen den eigentlich sehr erfolgreichen Oberbürgermeister von Duisburg groß war. Oder sagen wir: Ex-Oberbürgermeister.

Und damit ist das erste Mal überhaupt ein Oberbürgermeister abgewählt worden. Durch die sogenannte „Lex Sauerland“. Die durch die rot-grüne Koalition beschlossene Ergänzung des Kommunalwahlgesetzes – die allerdings schon im Koalitionsvertrag vorgesehen war. Dennoch sehr passend.

Sauerland kann man eigentlich keine Schuld allein an dem Loveparade-Desaster geben. Das ist ein Konglomerat an Verantwortlichen, die unbedingt nach der Absage von Bochum die Loveparade im Kulturjahr in Duisburg stattfinden lassen wollten. Verantwortlich ist hier sicherlich wohl der Veranstalter und die Genehmigungsbehörde. Und deren Chef war nominell Sauerland. Der wohl besser für die Fehler seiner Leute hätte einstehen sollen. Und sein Verhalten nach der Loveparade war sicher auch nicht astrein; eher peinlich.

Doch im Prinzip wäre sicherlich eine „Schwamm drüber“ – Stimmung in Duisburg eingetreten wenn nicht eine Melange an eher linken Personen diese Wunde frisch gehalten hätte. Egal, ob Ketchup-Attacke oder Stören von Veranstaltungen oder Presseberichte: Immer kam der Eindruck auf, als würde die SPD und ihr Umfeld mit aller Gewalt den CDU-Oberbürgermeister endlich von dem SPD-Stammplatz vertreiben wollen.

Dazu muss man wissen, dass in Duisburg, scheinbar gottgewollt, die SPD seit gefühlten Jahrhunderten regiert. Und eigentlich die von ihr geschaffene Verwaltung autark ohne Rat macht was die eigentlichen (SPD)-Könige wollen. Das hatte Sauerland durchbrochen und die Könige kaltgestellt – sowas vergisst man nicht. Und so nahm man anscheinend die Chance war die sich bot.

Die Kampagne gegen Sauerland war genau so peinlich wie Sauerland selbst. Und ich möchte gar nicht erst wissen wie die Melange reagiert hätte wenn die Abwahl nicht geklappt hätte.

Nun ja. Im Prinzip hätte Sauerland von selbst zurücktreten sollen. Auch wenn es schwer fällt. Er hätte sich in der Sonne eines gelungenen Festes gesonnt – und hätte also auch im Regen der Katastrophe die Konsequenzen tragen müssen. Aber da wirkten wohl viele Überlegungen mit, das nicht zu tun. Eben sicher auch dass man die Erfolge, die Sauerland zu verzeichnen hatte, auch nicht aufgeben wollte.

Es bleibt ein fahler Geschmack. Sowohl was die Personalie Sauerland angeht als auch das Drumherum der Abwahlkampagne.

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